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"Häschen in der Grube, saß und schlief...

Besorgte Tierfreunde bringen nun fast täglich junge Wildtiere, die sie in den Feldern und Wäldern gefunden haben und die vermeintlich „einsam und verlassen den Grausamkeiten der Wildnis“ ausgesetzt waren, ins Tierheim.

Doch nicht jedes Häschen, das in seiner Grube sitzt, ist hilfebedürftig. Vielmehr verlässt die Hasenmutter das im Gestrüpp versteckte Nest und somit ihre Kinder, um ihrem natürlichem Lebensrhythmus nachzugehen.

Doch sie kehrt ein- bis zweimal täglich ans Nest zurück, um den Nachwuchs zu säugen. Auch die Vogelkinder, die am Boden sitzen und kläglich fiepen, rufen nicht um menschliche Hilfe sondern um Futter – oftmals sitzt die Mutter in der Nähe auf einem Baum und muss beobachtet, wie sich der Mensch ihrem Kind nähert. Auch sie füttert ihre Vogelkinder weiter, auch wenn diese auf dem Boden sitzen.

Aus diesen Gründen ist es so wichtig, dass man seine freilaufenden Hunde nicht durchs Gebüsch streunern lässt. Auch Katzen können für kleine Hasen und erstrecht Jungvögel eine große Gefahr darstellen.

 

Doch was tun, wenn man auf ein junges (unverletztes) Wildtier stößt?

 

Handelt es sich augenscheinlich um ein unverletztes Tier und sollte es an einer dichtbefahrenen Straße sitzen, dann ist erste Hilfe natürlich geboten. Nehmen Sie das Jungtier behutsam aus der Gefahrenzone und setzen Sie es in sicherer Entfernung im Gebüsch ab. Sollte es sich um einen sehr jungen Vogel handeln, der aus dem Nest gefallen ist, so nehmen Sie ihn vorsichtig hoch und setzen Sie ihn – wenn das möglich ist – wieder zurück in sein Nest. Das alte Gerücht, dass Vogelmütter ihre Jungen nach menschlichem Kontakt nicht mehr annehmen und versorgen, ist falsch.

Sollte dem Tierchen jedoch (außer von anderen Wildtieren, was leider Gesetz der Natur ist) sonst keine unmittelbare Gefahr drohen, so benötigt das Wildtier meist keine menschliche Hilfe. Hasenkinder ducken sich lediglich, hoppeln jedoch nicht weg, insofern ist dies kein Indiz für Hilfslosigkeit. Auch junge Vögel, die auf dem Boden herumhüpfen, haben lediglich ihre ersten Flugversuche hinter sich und sind nur ein paar Meter gekommen. Würde man sie beobachten, könnte man schon bald Fortschritte miterleben!

Sollte Ihnen jedoch aus irgend einem Grund unwohl sein bei dem Gedanken, das Tier sich allein zu überlassen, so macht es Sinn, das Tier über 1 bis 2 Tage zu beobachten. Bewegt es sich vom Fleck, wirkt es weiterhin „munter“ oder magert es ab, wirkt schlapp? Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie sich richtig verhalten, so lassen Sie das Tierchen an Ort und Stelle und rufen Sie uns an. Wir werden dann alles Weitere mit Ihnen abklären.

Warum wir Sie bitten, hier erstmal nicht weiter tätig zu werden?  Zum einen sind diese Tiere meist nicht hilflos, es ist die natürliche Aufzucht. Zum anderen bedeutet das Eingefangen- und Transportiertwerden für Wildtiere einen unermesslichen Schock! 80% der Jungvögel, die in einem mit Luftlöchern versehenen Karton im Tierheim abgeliefert und von den Tierheimmitarbeiterinnen täglich mehrfach in die Hand genommen und gefüttert werden müssen, sterben aufgrund des Stresses!

Die Wildtiere, die diesen Stress überleben, werden entweder durch die Tierheimmitarbeiterinnen aufgezogen und dann ausgewildert oder an andere Organisationen weitergegeben, die sich um die speziellen Bedürfnisse der Wildtiere kümmern und ebenfalls auswildern.

 

Bitte verstehen Sie dies nun nicht als Kritik! Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich kümmern und möchten Sie hiermit bitten, sich noch etwas mehr zu kümmern insofern, als Sie die Tierchen, über deren Situation Sie sich nicht sicher sind, über einen Zeitraum von 1-2 Tage weiter beobachten, bevor wir sicher sind, dass die Tiere ohne menschliche Hilfe nicht überleben würden.

Fragt man einen Jäger oder einen Biologen, würde dieser sicher als Auskunft geben “Wildtiere gehören in die Natur“. Selbst wenn das Jungtier einem anderen Wildtier wie z.B. einem Fuchs, Marder, Iltis oder einem kleinen Greifvogel wie dem Falken zum Opfer fallen sollte, so wird es zum Teil der Nahrungskette und verhilft somit einem anderen Tier zum Überleben… so schwer wir uns auch mit dem Gedanken anfreunden wollen, dass so ein putziges kleines Häschen von einem natürlichen Feind „gerissen“ wird.

 

Fragt man einen Tierschützer, so hat dieser sicher Verständnis dafür, dass ein Tierfreund helfen möchte. Gleichwohl wissen die Tierheimmitarbeiter um die Situation der Wildtiere in der Natur und deren Überlebenschancen in der Gefangenschaft.

Fragt man als Tierfreund sein Gewissen, so würde man impulsiv sicherlich helfen wollen. Und deshalb möchten wir dieses aktuelle Thema grob anreißen. Auf die Problematik der „Wilderei“, wie es im Juristenjargon so schön heißt wenn man ein „jagdbares Wild“ mitnimmt, wollen wir hier nicht weiter eingehen.

 

 

Bitte lassen Sie Ihre Hunde nicht streunern, jagen und hetzen! Unsere Hunde haben es nicht nötig, für ihre Versorgung zu jagen! Verwenden Sie stattdessen einfach eine Schleppleine!

Die jungen Wildtiere werden es Ihnen danken.. und Sie haben bei Ihrem nächsten Spaziergang vielleicht wieder Freude am Wiedersehen mit dem „Häs’chen in der Grube“!