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Zwergkaninchen

Kaninchenhaltung

Das Wichtigste zuerst:  

Kaninchen sind sehr gesellige Tiere, man sollte niemals ein Tier in Einzelhaft halten. Die ideale Haltung ist Gruppenhaltung. Aber auch Kaninchenpaare sind wesentlich glücklicher als Kaninchen, die gezwungen sind, alleine zu leben. Am besten geeignet ist die Kombination KASTRIERTES Böckchen und Weibchen. Im Idealfall sind sie ungefähr gleich alt. Andere Kombinationen können funktionieren, sind aber manchmal etwas komplizierter. Beachten sie bitte, dass zwei unkastrierte Rammler sich in Rangordnungskämpfen tödlich verletzen können. Unkastrierte Kaninchenböcke haben keine Chance auf eine artgerechte Haltung: Leben sie mit Häsinnen zusammen, werden sie diese ständig besteigen. Selbst wenn die Häsin kastriert ist, und
somit kein ungewollter Nachwuchs entsteht, ist der hohe Sexualdrang von unkastrierten Rammlern für alle beteiligten purer Stress. Aus diesem Grund werden alle Böckchen im Tierheim nur kastriert abgegeben.


Wenn Sie zwei Weibchen halten, kann es auch hier zu wüsten Kämpfereien kommen, auch wenn sie sich anfangs gut vertragen. Nehmen Sie im Zweifelsfall lieber den Aufwand einer Kastration in Kauf, als nervenaufreibenden Stress und Risiken von Verletzungen einer Vergesellschaftung von
gleichgeschlechtlichen Tieren.

Wenn Sie ein Partnertier ausgewählt haben, beachten Sie bei der Zusammenführung folgende Tipps:


Gut ist, wenn Sie den Tieren zum Kennenlernen einen neutralen Raum (kann vorübergehend der Flur sein) zur Verfügung stellen. Auch hier gilt: Je mehr Platz, desto besser! Bieten sie den Kaninchen genügend Versteckmöglichkeiten an, die alle mindestens zwei Eingänge haben, damit
nie ein Tier „in der Falle“ sitzt. Hier eignen sich Kartons mit hineingeschnittenen Löchern hervorragend.

 

Es ist normal, wenn erstmal die Fetzen (bzw. Fell) fliegen. Jagen, Klopfen, gegenseitiges Berammeln usw. ist normal. Das Rammeln kann auch vom Weibchen ausgehen. Es ist ein normales Verhalten, das zur Klärung der Rangordnung dient. Nur wenn es zu blutigen Bei?ereien kommt, sollten Sie die Tiere trennen. Planen Sie ein paar Wochen Kennenlernzeit ein. Es gibt Kaninchen, die aufeinander zu hoppeln, sich beschnuppern und gleich kuscheln, es gibt auch Pärchen oder Gruppen, die zuerst Radau machen und nach drei Tagen ein Herz und eine Seele sind. Wenn sie erlebt haben, wie gerne und ausgiebig Kaninchen miteinander kuscheln und eng aneinander liegen, werden sie sehen, wie goldrichtig Ihre Entscheidung war, zwei Tiere zu nehmen. Nur in absoluten Ausnahmefällen vertragen sich Tiere dauerhaft nicht miteinander.

Ein Meerschweinchen ist nicht als Partner geeignet. Sie können (mehrere) Meerschweinchen zwar in ein Gehege zu mehreren Kaninchen setzen, aber jede Gattung braucht ihre eigenen Artgenossen. Meerschweinchen kommunizieren völlig anders als Kaninchen. Sie haben sich gegenseitig aber nichts zu sagen. Das wäre so, als lebten Sie nicht mit Ihrer Familie sondern mit Schimpansen zusammen! Auch Sie selbst können sich noch so liebevoll um Ihr Kaninchen kümmern, Sie werden ihm nie den Artgenossen ersetzen.

 

Keine Käfighaltung!

Im Zoofachhandel, werden die üblichen Käfige angeboten, so dass der Gedanke nahe liegt, dass man Kaninchen eben im Käfig hält. Wenn man sich mit den Bedürfnissen der Tiere auseinandersetzt, wird klar, dass diese Haltungsform nicht artgerecht sein kann. Kaninchen möchten laufen, Haken schlagen, Männchen machen, in Höhlen kriechen, buddeln, sich gemütlich ausstrecken usw. Und sie sind Fluchttiere. Im Käfig sind Sie Händen, die nach ihnen greifen, ausgeliefert und es bleibt nur der Weg nach vorne, daher werden viele Kaninchen bissig. Viele Kaninchen sind im Käfig aggressiv, knurren, machen Drohgebärden. Diese Tiere sind nicht generell aggressiv. In anderer Haltungsform hört dieses Verhalten meist schlagartig auf. Dasselbe gilt für nerviges Dauerrütteln an Gitterstäben, so dass man nachts kaum schlafen kann. Nicht jeder kann und will seinen Tieren ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen. Das muss auch nicht sein. Sie können mit Gitterelementen Teile eines Zimmers abtrennen, wo ihr Kaninchenpaar leben soll. Man rechnet dabei pro Tier 2 qm . Oder Sie können kreative Lösungen selber bauen. Vorschläge dazu finden Sie zahlreich im Internet.

Käfighaltung ist für aktive Tiere wie Kaninchen eine reine Qual!


Die artgerechteste Haltung für Kaninchen ist draußen. Ein Außengehege muss von allen Seiten abgesichert sein. Hierzu eignet sich nicht der 6-eckige Kaninchendraht, sondern nur der 4-eckige Volierendraht (Drahtstärke: Mindestens 1,2 mm. Maschenweite: Höchstens 1,9cm). Dieser ist zwar
ein paar Euro teurer aber dafür sicher vor Marderzähnen. Je größer das Gehege, desto wohler wird sich das Kaninchen fühlen. Als Einrichtung braucht das Kaninchen mehrere Unterschlüpfe. Sie können auch eine Buddelkiste und ein Klo anbieten. Viele Kaninchen nutzen das Klo dann, wenn Sie ihnen im Klo auch das Futter anbieten. Gartenauslauf im gut eingezäunten Garten und unter Aufsicht ist für jedes Kaninchen natürlich das Paradies!

 

Kein Kinderspielzeug

Kaninchen sehen süß aus, puschelig, kuschelig, flauschig. Aber noch lange nicht jedes Kaninchen mag gestreichelt werden und erst recht nicht auf den Arm genommen werden. Darüber hinaus sind Kaninchen schreckhaft (Fluchttiere) und lärmempfindlich.

 

Ernährung und Pflege

Das wichtigste Grundnahrungsmittel ist Frisches von der Wiese. Genau wie bei Wildkaninchen ist auch der Verdauungstrakt der verschiedenen Züchtungen nur auf eine Ernährung mit artenreicher Wiese ausgelegt. Gehen Sie deshalb täglich Wiesenkräuter sammeln. Je mehr verschiedene desto besser: Kaninchen sind gute Selektierer, das heißt, sie können sich sehr gut aussuchen, welche Kräuter für sie gerade gut sind. Kaninchen mit Blasenproblemen fressen daher besonders gerne Brennesseln, Kaninchen mit Parasiten fressen oft Wiesenbärenklau (für manche Parasiten giftig,
aber nicht für Kaninchen), Kaninchen mit Entzündungen im Körper bevorzugen entzündungshemmende Kräuter wie Kamille, Spitzwegerich, Breitwegerich... Packen Sie beim Sammeln einfach alles ein, was sie finden können. Ihre Kaninchen probieren auch gerne neue Sachen aus. Giftiges lässt jedes Kaninchen, das artenreiche Wiese gewohnt ist, links liegen. Ziehen Sie beim Sammeln bitte Handschuhe an. Brennesseln sind nicht die einzigen Pflanzen, die unserer Haut nicht gut tun!


Je mehr, desto besser: Kaninchen müssen immer fressen können, da sie einen Stopfmagen haben. Sie haben keine Muskulatur, die den Nahrungsbrei voran schiebt sondern müssen ständig „nachstopfen“. Sie nehmen am Tag ca. 80 kleine Mini-Mahlzeiten zu sich. Um zu garantieren, dass wirklich immer etwas zu fressen da ist, ist Heu ein gutes „Ersatzfutter“ für die gesündere Wiese. Gutes Heu riecht angenehm, ist grünlich und nicht grau oder braun, hat längere Halme und nicht nur kleingeschnittene Fitzel. Heu muss immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und sollte
täglich neu aufgefüllt werden. Probieren Sie verschiedene Sorten Heu aus, wenn Ihre Tiere eine nicht mögen, bieten Sie eine andere an. Heu ist für die Verdauung und und für die Zähne fast so gut geeignet wie frische Wiese (Bei sogenannten Zahnkaninchen kann Wiesen+Heufütterung dazu
beitragen, dass sich der Zustand der Zähne bessert oder sogar reguliert.) Man meint zwar, dass hartes Brot prima für den Zahnabrieb geeignet ist, aber in erster Linie ist Brot ein Dickmacher und leider oft von Schimmelsporen befallen (auch wenn man es selber noch nicht sieht). Außerdem
stellt Brot den Magen-Darmtrakt der Kaninchen komplett auf den Kopf. Zum Nagen eignen sich u.a. Zweige von Apfelbaum, Haselnuss (ungespritzt!), Buche, Birke sowie von allen einheimischen Obstbäumen.


Ein weiterer Ersatz zu gesunder, frischer Wiese ist Gemüse: Möhren, Sellerie, Fenchel, Chicoree, Petersilie, Löwenzahn, mal ein Stück Apfel sind sehr beliebt. Kohlrabiblätter werden im Allgemeinen gut vertragen.


Der Mythos Trockenfutter:


Viele Kaninchenhalter glauben leider immer noch, ihre Tiere bräuchten Trockenfutter. Es wird schließlich verkauft, der Züchter füttert es auch und es steht drauf „für Kaninchen“ oder noch schlimmer „für alle Nager“. Trockenfutter aus dem Handel ist in den meisten Fällen nicht nur ungesund sondern sogar lebensbedrohlich für Kaninchen. Erstens besteht es meist aus Industrieabfällen (siehe Inhaltsstoffe), zweitens enthält es oft Getreide, das für den Kaninchendarm fast genauso schädlich ist wie Brot, und drittens bereiten die Pellets große Probleme: Alles was zusammengepresst ist wie Pellets, quillt im Magen auf. Legen sie mal Pellets in Wasser und schauen sie was passiert! Der Kaninchemagen ist ausgelegt für 80 kleine Rationen am Tag. Er ist sehr klein und quasi nicht dehnbar. Ein Kaninchen, dass ein paar Pellets gefressen hat, kann akut an einem Magenriss sterben. Aber auch
dauerhafte Schäden treten auf: Das Tier ist erst mal satt und frisst viel zu lange nichts. Folgeerscheinungen sind: Aufgasungen, Trommelsucht, Verstopfungen, zu lange Zähne bis hin zu Abszessen im Kieferbereich. Alle diese Erkrankungen führen zu hohen Tierarztkosten und meistens
auch zum Tod des Tieres.

Sie sparen sich und dem Kaninchen viel Leid und Stress, wenn sie von Anfang an richtig füttern: Kräuter, Germüse, Heu und Äste!

Im Winter oder als besonderes Leckerlie darf es dann auch gerne ein wenig „gesundes“ Trockenfutter sein: Getrocknete Kräuter, Samen (z.B. Sonnenblumenkerne), getreidefreie Leckerlies und Erbsenflocken sind meist sehr beliebt und weit weniger schädlich als handelsübliches Trockenfutter!


Auch dazu gibt es zahlreiche Infos im Internet. Zum Beispiel: www.kaninchenwiese.de oder http://www.diebrain.de/k-index.html (tolle Links mit vielen weiteren Infos!!!)