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Frettchen

Frettchenhaltung

  

Frettchen stammen vom Waldiltis ab und gehören somit zur Familie der Raubtiere. Aufgrund jahrzehntelanger Domestikation zählt das Frettchen heute zu einem beliebten Heimtier. Es kommt in der freien Wildbahn nicht vor und ist dort auch nicht überlebensfähig. Die Praxis zeigt, dass sich insbesondere Frettchenanfänger bevorzugt Welpen anschaffen, weil sie glauben, dass sie einfacher „zu erziehen“ sind. Erfahrene Frettchenhalter raten explizit davon ab und empfehlen „ältere“ Tiere, die bspw. ein Jahr alt und somit bereits zahm und durch den Umgang mit Menschen gut geprägt sind.

Der Umgang mit Welpen erfordert hohe Ansprüche an Geduld und Kompromissen. Einsteiger sollten in Erwägung ziehen, seine Frettchen aus einer Frettchenhilfe oder einem Tierheim zu übernehmen, um somit einem bedürftigen Tier ein gutes Zuhause zu geben. Eingehende Information, Beratung und spätere Betreuung stehen hier im Vordergrund. Um negative Überraschungen auszuschließen, sollten Spontankäufe TABU sein.

Da Frettchen gesellige Tiere sind, und der Mensch Ihnen den Artgenossen nicht ersetzen kann, sollten sie mind. zu zweit gehalten werden. Stammen zwei Tiere aus verschiedener Herkunft, kann es sein, daß sie sich zunächst beißen. Die Ursache liegt meist darin, daß die Tiere längere Zeit in Einzelhaltung gelebt haben und somit ihre Artgenossen nicht kennen. Oft fehlt ihnen das nötige Sozialverhalten.

Geschlechtsreife:

Im Frühjahr nach ihrer Geburt, werden Frettchen mit etwa 8 Monaten geschlechtsreif. Sie kommen in die sogenannte Ranz. Aus folgenden Gründen sollten die Tiere unbedingt bei einem fachkundigen Tierarzt kastriert werden:

Unkastrierte Fähen:

Sie können bereits im ersten Lebensjahr dauerranzig werden und daran sterben! D.h. in der Regel werden die Fähen im Frühjahr und Herbst empfängnisbereit. In dieser Zeit schwillt die Vulva kirschgroß an. Die Ranzzeit beträgt in der Regel etwa 4 Wochen und endet im Normalfall wieder ganz von selbst. Ist diese Zeitspanne jedoch überschritten und das Tier immer noch ranzend, muß umgehend eine Kastration erfolgen. Geschieht dies nicht entsteht eine Hormonvergiftung, die durch einen zu hohen Östrogenspiegel das Knochenmark zerstört und unweigerlich zum Tode der Fähe führt!!! Ein verantwortungsbewußter Frettchenbesitzer sollte seine Fähe also spätestens in der ersten Ranz kastrieren lassen. Dabei sollte man beachten, daß sich nur wenige Tierärzte mit Frettchen und insbesondere mit deren Kastration auskennen. Deshalb sollte man sich frühzeitig nach einem kompetenten Tierarzt umsehen.

Unkastrierte Rüden:

Sie „müffeln“ und markieren mit Urin ihre gesamte Umgebung. Leider ist das der häufigste Grund, weshalb besonders Rüden während der Ranzzeit abgegeben oder ausgesetzt werden. Mit einer rechtzeitigen Kastration können der „Mief“ und das Markieren jedoch unterbunden werden, so daß nur noch der natürliche Eigengeruch des Tieres bleibt.

Der Geruch:

Der berühmt berüchtigte Frettchengeruch stammt zum einen, wie beschrieben bei unkastrierten Rüden von den Geschlechtsteilen und zum anderen durch die Analdrüsen des Tieres, die in extremen Situationen, wie Angst, Schmerzen oder Aufregung, einen übelriechenden Geruch freisetzen. Dieser „verduftet“ jedoch nach wenigen Minuten und ist daher kaum erwähnenswert. Das Entfernen der Analdrüsen, ohne medizinische Indikation ist lt. Deutschem Tierschutzgesetz verboten. Was die Reinlichkeit betrifft, so sind Frettchen an sich recht saubere Tiere. Beim Freilauf in der Wohnung ist eine Stubenreinheit wie man sie von Katzen kennt allerdings nicht gegeben (leider wird dies oft fälschlicherweise behauptet). Da Frettchen in der Regel nur bestimmte Ecken bevorzugen, kann man hier sein Glück mit dem Aufstellen einer Katzentoilette versuchen.

Unterbringung:

Frettchen sind keine Käfigtiere ! Sie haben einen sehr ausgeprägten Bewegungsdrang und benötigen neben einer artgerechten „Behausung“ täglich mehrere Stunden Auslauf. Die im Handel üblichen Nagerkäfige entsprechen keinesfalls einer artgerechten Frettchenhaltung und sind für diesen Zweck absolut ungeeignet. Eine frettchengerechte Unterkunft (Gehege) sollte über mindestens 2 Etagen verfügen, so daß Futter, Toilette und Schlafplatz eindeutig voneinander getrennt sind.

Da es im Handel kaum fertige Frettchenkäfige zu kaufen gibt, empfiehlt sich „Marke Eigenbau“. Hierzu eignen sich beispielsweise eine umgestaltete Vogelvoliere oder der alte Schrank vom Sperrmüll, der sich durchaus in eine gemütliche „Frettchenvilla“ verwandeln läßt. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Als Einlage sollte keinesfalls Kleintierstreu, Heu oder ähnliches verwendet werden, da dieses zusammen mit dem Futter aufgenommen wird und zu einem tödlichem Darmverschluß führt. Besser und dazu preiswerter sind kuschelige Tücher, wie alte Bettlaken oder Handtücher, die regelmäßig gewaschen werden. Eine Katzentoilette darf in der „Frettchenvilla“ selbstverständlich nicht fehlen. Als Einlage eignet sich am besten klumpenbildendes Katzenstreu. Mit einer kleinen Schaufel läßt sich die Toilette leicht reinigen (mindestens 2x täglich). Für den Aufenthalt auf dem Balkon sollte dieser unbedingt gründlich abgesichert werden. Vorsicht bei Hitze! Frettchen sind bei Temperaturen ab 30?C Hitzeschlag gefährdet. Ein Aufenthalt in direkter Sonne ist unbedingt zu vermeiden. Die im Winter draußen gehaltenen Tiere benötigen unbedingt ein wetterfestes, gut isoliertes Schlafhaus, das mit warmen Decken ausgelegt ist.

Gefahren:

Man glaubt nicht, wie Frettchen klettern können und wie einfallsreich sie sind, wenn es um buddeln, graben, wegrücken und dergleichen geht. Gefahrenquellen für Frettchen sind offene, gekippte Fenster, offene Toilettendeckel, Blumenvasen, offene Wasch-maschinen (vor Gebrauch unbedingt kontrol-lieren, da Frettchen bevorzugt darin schlafen). Brennende Kerzen, Putzmittel, Schwämme, Herde, Öfen, Aschenbecher etc. sollten für das Frettchen unerreichbar sein.

Ernährung:

Frettchen sind Fleischfresser und haben einen extrem kurzen Verdauungstrakt. Sie sind sogenannte „Schnellverwerter“. Aufgrund ihres rasenden Stoffwechsels ist ihre Nahrung binnen weniger Stunden verdaut. Sie fressen ganztägig kleine Mahlzeiten, weshalb ihnen Futter rund um die Uhr zur Verfügung stehen sollte. Sie bedürfen zwingend einer hochwertigen Ernährung, die tierisches Protein und Fett liefert. Hinzu kommt, daß anatomisch nicht in der Lage sind Vitamine zu speichern und/oder pflanzliche Nahrung zu verwerten. Wenn diese nicht als Zusatz dem täglichen Futter beigefügt werden, treten Mangelerscheinungen auf, die nicht selten dazu führen, daß die Tiere ihr Höchstalter nicht erreichen.

Eine Ernährung mit handelsüblichem Katzen-Fertigfutter aus dem Supermarkt ist absolut ungeeignet. Es enthält überwiegend pflanzliche Bestandteile und darüber hinaus Lock- und Duftstoffe, wie Zucker und Caramel. Frettchengeeignetes Katzenfutter sollte “Premium-Qualität“. Sie sind zwar wesentlich teurer in der Beschaffung, aber es für die Tiere gut verwertbar ist, wird davon auch deutlich weniger gefressen (und auch ausgeschieden). Man sollte sich die Zeit nehmen, die Abgaben über die jeweiligen Inhaltsstoffe zu lesen um somit die Produkte zu vergleichen.

Beim Dosenfutter (Naßfutter) ist darauf zu achten, daß der Fleischanteil möglichst hoch ist. Bestandteile wie Zucker oder Caramel dienen lediglich als Lockstoff und führen zu Zahnerkrankungen. Dem Naßfutter können Vitaminpräparate, wie Flocken, zerbröselte Vitamintabs, oder Eigelb untergemischt werden. Frischfleisch vom Geflügel oder Rind sollte roh verfüttert werden, da beim kochen/braten wichtige Vitamine zersetzt werden. Salz und sonstige Gewürze sowie Schweinefleisch sind verboten!

Leckereien wie Schlangengurke, Paprika oder Melone werden gerne genommen, dienen jedoch nicht als Vitaminlieferanten. Ab und zu empfiehlt sich ein Gläschen Babynahrung oder etwas Catmilk. Nebenbei dürfen Joghurt und Quark mit Eigelb (kein Eiweiß) angeboten werden. Als Ergänzungsfuttermittel eignen sich alle Vitamin und Mineralstoffpräparate für Katzen, wie z.B. Multivitamin-paste. Zur Deckung des hohen Vitamin B-Bedarfs eignen sich Bierhefetabletten oder Haferflocken.

Außerdem:

Frettchen haben einen ausgeprägten Spieltrieb. Man sollte ihnen Spielzeug zur Verfügung stellen, wie Bällchen, Stofftiere oder Sisalmäuse. Gummispielzeug sollte nur unter Beobachtung verfügbar sein, da verschluckte Teile zu Darmverschluß führen können. Ansonsten gilt es, alle Pflanzen in Sicherheit zu bringen, denn Frettchen lieben es, Blumentöpfe auszugraben. Frettchen haben nicht den geringsten Respekt vor Dingen, die uns lieb und teuer sind. Eine Mischung aus unkontrollierter Neugier und maßlosem Bewegungsdrang führt womöglich jeden Frettchenhalter irgendwann einmal an den Punkt der Verzweiflung, aber gerade DAS ist es wohl, was wir so an ihnen lieben. Mit der Zeit trägt man ihre Dummheiten und Machenschaften mit Humor und Fassung.

Merke:

Man muß Frettchen lieben und akzeptieren wie sie sind - ohne Kompromisse!

Ihre Eigenschaften (die durchaus Nervenstärke abverlangen) sind angeborene Instinkte, die man weder unterbinden, noch durch erzieherische Maßnahmen „abstellen“ kann. Ist man als Halter nicht bereit dies zu akzeptieren, sind Frettchen eindeutig Fehl am Platz. Die Anschaffung sollte in allen Punkten gründlichst überdacht und niemals eine Spontanentscheidung sein.

Ausführliche Infos und/oder ein Livebesuch bei erfahrenen Frettchenhaltern sollten VOR der Anschaffung erfolgen. Ebenso sollten Tierarztkosten (Kastration/Impfung) einkalkuliert werden, sowie die Frage, ob der Vermieter die Frettchenhaltung erlaubt. Alle Informationen sind ohne Gewähr und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Für Fragen, sowie Auskünfte zur Aufnahme und Vermittlung unserer Fund- und Abgabetiere, stehen wir selbstverständlich gerne persönlich zur Verfügung.

Frettchenfreunde Rhein-Ruhr

Maren Bierfreund

Telefon: 0 22 05 - 90 96 37

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http://www.frettchenfreunde.info