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Igel - Wildtier des Jahres 2009

Der Igel ist Wildtier des Jahrs 2009!

  

...und so retteten wir Max und Moritz

Natürliche Feinde besitzen die Stacheltiere zwar nicht, da nur große Eulen und Greifvögel ihren Panzer aufbrechen könnten. Zusammen mit den Maulwürfen und den Spitzmäusen zählt der Braunbrust-Igel (Erinaceus europaeus) zur Ordnung der Insektenfresser. Wie viele andere Arten zieht es auch Igel aus der ausgeräumten Landschaft zunehmend in menschliche Siedlungen. Hier finden sie Lebensraum, Nahrung und Unterschlupf.

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben ein breites Nahrungsspektrum: Sie fressen Laufkäfer, Larven von Nachtschmetterlingen und sonstige Insekten, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer sowie Spinnen. Igel sind also keine Vegetarier, sie fressen im Garten kein Obst und kein Gemüse.

Die Hauptfortpflanzungszeit liegt zwischen Juni und August. Nach etwa 35 Tagen Tragzeit kommen vier bis fünf Jungigel zur Welt. Diese sind bei der Geburt 12 bis 25 Gramm schwer, rund sechs Zentimeter lang und tragen etwa 100 weiße Stacheln ? Erwachsene Igel haben hingegen 6000 bis 8000 Stacheln ?, die in die aufgequollene Rückenhaut eingebettet sind. Augen und Ohren beginnen sich erst nach zwei Wochen zu öffnen. Die Igeljungen werden rund 42 Tage gesäugt. Kurz danach sind sie selbständig und bei der Futtersuche auf sich selbst angewiesen. In diesem Lebensabschnitt beträgt ihr Gewicht etwa 300 Gramm.

Igel halten Winterschlaf. Dazu suchen sie meistens im November bei anhaltenden Bodentemperaturen um den Gefrierpunkt ein Winterquartier auf, zum Beispiel Laub- und Reisighaufen. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit sind Igel im beginnenden Herbst auch tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich für den bevorstehenden Winterschlaf noch einige Fettreserven anfressen. Während des Winterschlafs verlieren Igel 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts.

Interessante Gegenstände pflegen Igel ausgiebig zu beschnuppern, zu belecken und durchzukauen. Dabei entsteht eine weißschaumige Speichelabsonderung. Dieser Vorgang ist natürlich, harmlos und hat mit Tollwut nichts zu tun.

Welche Igel brauchen Hilfe?

Hilfsbedürftig sind:

Verletzte Igel:

Oft deuten schon Fundort und -umstände (Straße, Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe.

Kranke Igel:

Man erkennt sie meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Auf kranken Igeln (wie auch auf Säuglingen und Verletzten) sitzen in der warmen Jahreszeit häufig Schmeißfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein, sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen). Ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sie sind eingefallen, schlitzförmig.

Verwaiste Igelsäuglinge:

Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen dringend Hilfe.

Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen:

Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln; öfter sind es Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind und/oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst kein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anfressen konnten.

In Deutschland ist es generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten - und dazu zählt der Igel - aus der Natur zu entnehmen. Die einschlägigen Gesetzesvorschriften erlauben jedoch, hilfsbedürftige Igel sachgemäß aufzuziehen bzw. gesund zu pflegen.

Das Ziel jeder Igelhilfe muss sein, die Tiere so bald wie möglich wieder gesund in die Freiheit zu entlassen.

 

Checkliste Erste Hilfe

Pflegeprotokoll anlegen!

Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren. Damit beginnt das Pflegeprotokoll, in das weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche, verabreichte Medikamente usw. eingetragen werden.

Geschlecht bestimmen!

Das ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um ein säugendes Muttertier handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft über den Rücken streicheln bis er sich ausrollt, dann mit der flachen Hand langsam in Seitenlage bringen, damit die Bauchseite sichtbar wird.

- Männchen: Hautiger Knopf (Penisöffnung) in der Mitte der hinteren Körperhälfte.

- Weibchen: Scheide unmittelbar vor dem After. 

Igel auf Verletzungen untersuchen!

Dazu muss man auch Kopf, Bauchseite und Beine inspizieren.

Unterkühlte Igel wärmen!

Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter als die eigene Hand anfühlt. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmeflasche umwickelt man mit einem Frotteehandtuch (ohne Aufhänger, ohne Löcher oder heraushängende Fäden - Verletzungsgefahr!) und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu.

Außenparasiten entfernen!

In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den Körperöffnungen (Ohren, Mund, After etc.) unverletzter, jedoch kranker und schwacher Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Fliegeneier sind weißliche, etwa 1,5 mm lange aneinanderklebende Stäbchen, Fliegenmaden kleine weißliche Würmchen. Man sammle sie sehr sorgfältig mit der Pinzette ab. Igelflöhe lassen sich am besten mit einem speziellen Spray (keinen Puder verwenden!) - aus der Zoohandlung oder vom Tierarzt entfernen. Zecken nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff behandeln! Man fasst sie mit einer Pinzette möglichst dicht an der Haut des Igels und zieht sie ruckartig heraus. Die Tiere sollten nur in absoluten Ausnahmefällen gebadet werden, denn diese Prozedur stresst sie zusätzlich.

Tierarzt und/oder Igelstation aufsuchen!

In jedem Fall und so bald wie möglich sollte man eine Igelstation und/oder den Tierarzt aufsuchen. Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes; er hilft (wie auch die Igelstation) bei der Entfernung von Außen- und Innenparasiten. Außerdem kann er mit den entsprechenden Präparaten auch sehr geschwächten Tieren helfen. Ein kranker oder verletzter Igel ist dringend auf fachmännische Hilfe angewiesen - Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht!

Igelgehege mit Schlafhaus herrichten!

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigenes Gehege mit ausreichend Platz und ein Schlafhäuschen.

Füttern!

Katzen- oder Hundedosenfutter oder Hackfleisch (kurz anbraten, nie roh geben!) oder Rührei (ohne Gewürze, aber mit etwas Öl in der Pfanne garen, mit der Gabel zerkleinern). Zum Trinken ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch) hinstellen. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel!) lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.

Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht von selbst, ist unverzüglich der Tierarzt oder die Igelstation zu benachrichtigen, da er dann meist Flüssigkeit per Injektion oder ?Zwangsfütterung? benötigt. Neben der medizinischen Versorgung ist das A & O der Igelpflege die richtige Fütterung.

Kot für Untersuchung sammeln!

Kotuntersuchungen sind bei Igeln ungemein wichtig, denn sie geben Aufschluss über die Menge und Art des Befalls mit Innenparasiten und über bakterielle Infektionen. Den Kot von zwei Tagen sammelt man in einem gut verschließbaren Gefäß (z. B. in einem Filmdöschen) und schickt ihn an ein entsprechendes Labor. Tierarzt, Igelstation und Veterinäramt nennen Adressen, nehmen manche Untersuchungen aber oft auch selbst vor.

Gesunde Igel sofort wieder freilassen!

Haben Tierarzt oder Igelstation erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen Hilfe bedarf, muss der Igel umgehend an seinen Fundort bzw. in dessen unmittelbare Nähe zurückgebracht werden.

Unterkunft

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigene Unterkunft von etwa 2 Quadratmeter Fläche und 50 cm Höhe und ein Schlafhäuschen.

So haben wir bereits vielen Igeln helfen können. 10 Igel konnten sogar erstmalig im Tierheim überwintern, welche im Frühjahr gesund und proper in igelgerechte Gebiete ausgewildert werden konnten. Besondere Fälle haben wir zu besonders erfahrenen Igelstationen gebracht.

 

So auch Max und Moritz

Vor ca. 3 Wochen wurden uns zwei Igelbabys von einem Finder ins Tierheim gebracht, nachdem er zufälligerweise in einem Teich einen toten Igel entdeckte. Bei näherem Hinsehen entdeckte er zwei Igelbabys, welche die Augen noch geschlossen hatten und völlig hilflos da lagen.

Der tote Igel war die arme Igelmamma, welche aus unerklärlichen Gründen im Teich ertrunken war. Der Finder brachte die Igelbabys glücklicherweise sofort ins Tierheim, woraufhin sie bestmöglich versorgt wurden. Da Max und Moritz so unglaublich winzig waren, wurden beide Babys unverzüglich zu einer Igelstation mit exzellentem Fachwissen nach Pulheim gebracht.

 

Dort berichtete man uns in den Folgetagen, dass Beide einen mordsmäßigen Appetit entwickelt hätten, kräftig und wohlauf seien. Inzwischen haben beide ihre Äuglein auf und fressen neben der noch notwendigen Ersatzmilch aber auch schon schlabbernd und schmatzend selbständig.

Wir drücken ganz fest die Daumen, dass sich Max und Moritz weiterhin gut entwickeln werden, um sie dann im nächsten Frühjahr mit Stolz und Freude auswildern zu können.

Birgit Wintersteller-Kordic