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Taubenprojekt

 

Taubenprojekt

   

Stadttauben: Wege zur friedlichen Koexistenz - Beispiel Aachen -

Während sie versucht einen Krümel vom Boden zu erhaschen, muss sie immer wieder den Füßen ausweichen, die nach ihr treten. Ich spreche die Mutter des Kindes an, das gerade die Taube jagt. Ohne Erfolg – kein Verständnis dafür, dass es sich um ein Lebewesen handelt. Anders wäre es sicherlich bei einem Hund – zumindest in Deutschland. Aber genau das ist das Problem: Stadttauben haben keine Lobby. In Aachen ist das anders!

- Ein Bericht von Elli Heß, vom Verein Menschen für Tierrechte –Tierversuchsgegner Aachen e.V. und Sprecherin der AG Tauben -

Dass die Vermehrung der Tauben eingeschränkt werden muss, ist unzweifelhaft. Doch ähnlich wie bei frei lebenden Hunden und Katzen müssen dabei tierschutzgerechte Wege beschritten werden. Dank des Aachener Tierschutzbündnisses, der politischen Parteien sowie der Stadtverwaltung Aachen wurde ein Projekt, das die Vermehrung der Tauben auf tierschutzgerechte Weise durch die Errichtung von Taubenschlägen verhindert und gleichzeitig die Versorgung der Tiere gewährleistet, eingeführt. Seit 13 Jahren besteht die Arbeitsgruppe Stadttauben, auf deren Erfolg alle Tierfreunde in Aachen stolz sein dürfen!

    

Foto: verletzte Taube. Als Friedenssymbol verehrt, als „Ratten der Lüfte“ verfolgt – in Wahrheit Lebewesen, die auf Hilfe angewiesen sind!

  

Die AG Stadttauben Aachen

Im September 1995 schlossen sich alle Aachener Natur- und Tierschutzorganisationen sowie bundesweite Organisationen (Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) KG Aachen Stadt, Bundesverband Tierschutz e.V., Europäischer Tier- und Naturschutz e.V., Haus- und Wildtierhilfe ohne Grenzen e.V., NABU Naturschutzbund Deutschland Stadtverband AC e.V., Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., Tierschutzverein für die StädteRegion Aachen e.V., Tierversuchsgegner Aachen e.V. – Menschen für Tierrechte) zur Arbeitsgruppe Stadttauben zusammen, um in Aachen eine tierschutzgerechte Bestandskontrolle der Stadttauben einzuführen.

Insgesamt werden heute sieben Taubenschläge ehrenamtlich betreut, weitere drei Taubenschläge sind bereits in Planung. Das Konzept: Die Tauben werden an die Schläge gebunden. Hier finden sie Nistplätze und werden artgemäß gefüttert. Die Geburtenkontrolle erfolgt durch Austausch der Eier gegen Attrappen. So kann der Nachwuchs bis zu 100 % verhindert werden. Tauben setzen 80 % ihrer gesamten Kotmenge im Schlag ab, wo er leicht eingesammelt werden kann. Mit Hilfe von artgerechtem Futter, frischem, sauberem Wasser (Tränkeautomaten) und gelegentlicher Desinfektion der Schläge wird die Population gesund erhalten. Zusätzlich werden Futterstellen betreut sowie eine Auffangstation für verletzte und junge Tauben. Die zusätzliche Einrichtung von Futterstellen dient der Konzentration und Anbindung der Tauben. Tauben werden so von neuralgischen Punkten (z.B. Fußgängerzonen) abgezogen. An den Futterstellen sollten mittelfristig Taubenschläge errichtet werden, so dass dann dort eine Fütterung entfällt.

Für die StädteRegion Aachen bedeuten die Taubenschläge: Verringerung der Kotbelastung an Fassaden (im Jahre 2007 wurden ca. 7.500 kg Kot entsorgt) und Verhinderung weiteren Nachwuchses der Taubenpopulation (im Jahre 2007 wurden ca. 4.000 Eier entnommen).

    

Foto: In der Auffangstation werden verletzte Stadt- und Brieftauben versorgt.

  

Vorbild für andere Städte

Übrigens ist Aachen mit diesem Projekt, neben Augsburg und Tübingen, zum Vorreiter für andere Städte in Deutschland und auch in den Niederlanden geworden! Städte, in denen Tauben nicht mehr verfolgt oder getötet werden. Fast 40 deutsche Städte haben sich bereits für diesen Weg entschieden – oft nach erfolglosen anderen Maßnahmen. Inzwischen wird es auch von den zuständigen Ministerien der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen empfohlen. Dies funktioniert nur, da wir auf Bundesebene gemeinsam mit der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben vernetzt und seit vielen Jahren aktiv sind. Auf der Homepage www.stadttauben.de finden Sie viele Informationen zu Tauben und zum Konzept!

Stadttauben und ihre Herkunft

Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen, stellte die Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/ 1996 fest. Den stärksten Zuflug haben unsere Stadttaubenschwärme heute durch verirrte und erschöpfte Brieftauben. Die Stammform aller gezüchteten Tauben ist die Felsentaube (Columba livia). Tauben brüten ganzjährig und haben jährlich bis zu 12 Nachkommen. Diese hohe Brutaktivität ist ein charakteristisches Merkmal für den Eingriff des Menschen durch Zucht (Domestikation). Sie sind standort- und nistplatztreu. Zur Futtersuche und zum Schutz gegen Greifvögel schließen sie sich zu Schwärmen zusammen. Hohe Gebäude dienen ihnen als Felsenersatz und als Brutorte. Der ursprüngliche Körnerfresser findet in der Stadt kaum natürliche Nahrung, lebt vom Futter der Taubenfreunde und den Abfällen der Wohlstandsgesellschaft.

Stadttauben und der Umgang mit ihnen

Tauben können wie alle anderen Lebewesen Träger von Krankheitserregern sein. Eine besondere Infektionsgefahr für Menschen beim üblichen Kontakt in der Stadt besteht nicht. In Deutschland gelten die verwilderten Haustauben seit 1989 nicht mehr als „Schädling“ im Sinne des § 13, Absatz 1 Bundesseuchengesetz. Durchschnittlich 10 kg Nasskot produziert eine Taube pro Jahr. Die Ursache der Gebäudezerstörung ausschließlich auf den Taubenkot zurückzuführen, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Um die Anzahl der Tauben zu verringern, ordnen die Behörden häufig Fütterungsverbote und vereinzelt Tötungsaktionen an. Die Brutaktivität der Tauben ist jedoch genetisch bedingt und, anders als bei Wildtieren, nicht über das Futterangebot zu regulieren. Wird ein Futterplatz nicht mehr bedient, versammeln sich die Tauben verstärkt an anderen Orten, z.B. in Fußgängerzonen, wo ein Nahrungsangebot durch Geschäfte und Freiluftgastronomie besteht. Das aber gerade will das Fütterungsverbot ja verhindern. Grundsätzlich verstoßen Tötungsaktionen gegen das Tierschutzgesetz. Zudem stellen sie kein wirksames Instrument zur Bestandsregulierung dar, sondern führen lediglich zu einer Verjüngung der Populationen und die Bestände wachsen nach einiger Zeit erneut an. Zu den grausamen Folgen von Tötungen gehört auch, dass Nestlinge verhungern, da für die Brutpflege beide Eltern unentbehrlich sind. Vergrämungsmaßnahmen wie Netze, Spikes oder Stromstöße sollen verhindern, dass Tauben an bestimmten Plätzen sitzen, ruhen oder nisten. Einige Methoden können schwere Verletzungen bei den Vögeln hervorrufen und sind daher abzulehnen. Grundsätzlich können Vergrämungen als begleitende Maßnahmen sinnvoll sein. Als einziges Mittel angewendet, veranlassen sie jedoch lediglich eine Problemverlagerung, denn die Tauben weichen auf benachbarte Standorte aus.

    

Foto: Tauben „Gestrandete“ Brieftauben (Mitte mit Ring) verbleiben in den Städten.

  

NRW Tierschutzpreis 2007

In vielen Kommunen beschäftigt das Stadttaubenproblem Behörden, Bürger, Medien, Unternehmen für Taubenabwehr und Tierschützer. Während das massenweise Töten von Tauben aus tierschutzrechtlichen Gründen und wegen Unwirksamkeit nicht mehr durchgeführt wird, halten die meisten Kommunen nach wie vor an restriktiven Fütterungsverboten fest, in der Meinung, das Stadttaubenproblem damit lösen zu können. Durch die Verleihung des Tierschutzpreises der Landesregierung NRW 2007 an die AG Stadttauben Aachen, wurde auch auf politischer Ebene ein tierschutzgerechtes und nachhaltiges Taubenmanagement in unseren Städten gewürdigt. „Neben der Lobby für die bislang meist verhassten Tauben in unseren Städten, freue ich mich auch für die gesamte Gruppe! Denn ein solches Team aus ehrenamtlichen Tierfreunden, Politikerinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung ist absolut vorbildlich! Wir hoffen, dass immer mehr Städte dem positiven Beispiel aus Aachen folgen werden“, betont Elli Heß.

    

Foto:  AG Stadttauben 1 Preisträger AG Stadttauben Aachen mit Minister Eckhard Uhlenberg (l.).

  

Mitarbeiter gesucht!

Liebe Tierfreunde, die Betreuung der Taubenschläge und Futterstellen sowie der Einsatz bei Notrufen für verletzte Tauben sind sehr personalintensiv. Die Tauben in den städtischen Taubenschlägen kennen ihre „Betreuer“ – wie hier Manuela Godding.

Wir suchen immer ehrenamtliche Tierfreunde, die z.B. tageweise im Projekt aushelfen. Vor allem für die Notrufe bei erschöpften und verletzten Brieftauben suchen wir händeringend Tierfreunde, die solche Tiere abholen würden! Bitte helfen Sie!

Kontakt:

Elli Heß, Tel.: 02405/896082 oder Mobil: 0179/4080170

Frau Röll, Tel.: 0170/4192741

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