Zap Slider

Tips zum weihnachtlichen Festessen

 

Tierische Delikatessen???

  

Der Tierschutzverein Aachen bietet Verbrauchertipps für diejenigen, die nicht auf Fleisch verzichten wollen. Generell  sollte jeder Tierfreund dazu beitragen, dass landwirtschaftlich genutzte Tiere besser gehalten werden. Es sollte beim Kauf von Fleisch und Wurst auf Waren zurückgegriffen werden, die aus tiergerechter Haltung stammen.

So berücksichtigen z. B. die Richtlinien des NEULAND-Vereins, BIOLAND oder DEMETER für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung und die des Ökolandbaus  die arteigenen Ansprüche der Tiere an Haltung und Fütterung. Für den Verbraucher sind auch die strengen Beschränkungen des Medikamenteneinsatzes in der Biolandwirtschaft wichtig.

Gans und Ente

Schlachtgänse und Enten werden vor allem für die Weihnachtszeit gemästet. Etwa 80% der Gänse kommen aus Polen, Ungarn und zum Teil auch aus Tschechien. Dort ist die Haltung vielfach katastrophal. Größtenteils werden Gänse und Enten in engen Käfigen gehalten, in denen sie nicht einmal normal stehen, geschweige denn sich artgerecht verhalten können. Die Tiere werden dort zu Produktion von Stopfleber täglich dreimal, meist maschinell, gestopft. Dabei wird ihnen unter Druck ein Brei aus Mais in die Speisröhre und in den Magen getrieben. Bei dieser Prozedur werden nicht zur Speiseröhre und Magen abnorm erweitert, die Tiere erleiden auch zum Teil erhebliche Verletzungen des Schnabels und der Speiseröhre. Während der Stopfzeit von 2-3 Wochen müssen die Tiere etwa 15 kg Maisfutter aufnehmen. Aufgrund der enormen Futtermenge, die der Körper der Vögel nicht verarbeiten kann, verändert sich die Leber krankhaft. Sie verfettet und schwillt dabei etwa auf das 10fache ihrer Normalgröße an. Das kranke Organ kann so seine lebensnotwendige Funktion nicht mehr erfüllen, die Tiere leiden an Wassereinlagerungen in den Beinen und Atemnot.

In Deutschland ist das Stopfen von Enten und Gänsen verboten; die Einfuhr von Stopfleber ist jedoch erlaubt. Sie als Verbraucher können jedoch darüber entscheiden, ob es in Deutschland weiterhin einen Markt für solche Produkte gibt oder nicht. - Kaufen Sie bitte keine Stopfleber bzw. Produkte, die Stopfleber enthalten - Kaufen Sie nur Fleisch von Gänsen und Enten mit den Bezeichnungen Auslaufhaltung, bäuerliche Auslaufhaltung, Bio oder Öko.

Tiere, die unter diesen Bezeichnungen vermarktet werden, wurden tiergerecht gehalten: Sie hatten mehr Platz im Stall und Auslauf ins Freie - Finger weg von Fleisch mit der Kennzeichnung Aus Fettleber-Produktion. Diese Tiere sind gestopft worden!

Puten

Puten werden zu mehreren Zehntausenden in Hallen auf engstem Raum zusammengepfercht. In der strukturlosen, meist dunklen Haltung bleiben den Tieren Rückzugsmöglichkeiten oder Beschäftigung versagt. Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus sind die Folge. Die Beine der Puten können das abnorm vergrößerte Gewicht nicht mehr tragen, die aufgrund jahrzehntelanger Zucht hohe Mastgewichte erreichen mit einem hohen Anteil an Brustmuskelfleisch, was besonders gerne gegessen wird. Die Puten leiden an Gleichgewichtsstörungen und schmerzhaften Fehlstellungen der Beine. Tragen Sie mit Ihrem Kaufverhalten dazu bei, dass diese Tierquälerei verhindert wird: - Kaufen Sie nur Putenfleisch aus artgerechter Nutztierhaltung oder Öko- bzw. Bioputen. Auch wenn die Produkte etwas teurer sind: Sie honorieren damit eine tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung.

Rindfleisch

Mastrinder werden fast ausnahmslos ohne eingestreuten Liegebereich auf Spaltenböden gehalten. Diese Böden sind von Kot und Harn so rutschig, dass die Tiere ausgleiten bzw. viele Bewegungen wegen fehlender Trittsicherheit nicht ausführen können. Folgend treten gesundheitliche Schäden auf, wie z. B. Klauenverletzungen, Gelenks- und Schwanzspitzenentzündungen, Euter- und Hinterlaufsverletzungen. Durch den Mangel an Beschäftigung in der strukturlosen Haltungsumgebung kommt es zu Frustrationen, die zu Aggressionen und sozialen Auseinandersetzungen führen. Auch hier gilt, wenn Sie Rindfleisch kaufen möchten, erkundigen Sie sich nach NEULAND-Produkten oder wählen Sie Bio- bzw. Öko-Produkte.

Achten Sie bei dem unter Geboren in/Gemästet in/Geschlachtet in ...ein und dasselbe Land angegeben ist. Diese Kennzeichnung ist verpflichtend.

Exotenfleisch

Gestärkt durch BSE und anderer Fleischskandale nimmt seit einigen Jahren der Trend zu, exotische Tiere zur Fleischproduktion in Deutschland zu halten. Strauße, Kamele, Kängurus und Wasserbüffel sind nur ein paar Beispiele. Die Haltung von Exoten als Nutztiere in Deutschland ist generell abzulehnen, da den aus völlig anderen Klimazonen stammenden Tieren unter den Bedingungen der hiesigen Landwirtschaft keine artgerechte Haltung ermöglicht werden kann. Straußenfleisch wird häufig auch aus Südafrika nach Deutschland importiert. Wie die Tiere dort gehalten und geschlachtet werden, erfährt der Verbraucher nicht. In Deutschland geltende gesetzliche Anforderungen an Haltung, Fütterung oder Schlachtung sind dort nicht gültig.

Bedenken Sie daher beim Einkaufen: - Kaufen Sie kein Fleisch von exotischen Tieren, auch wenn die Neugier einen dazu verleiten mag. Tragen sie mit dazu bei, dass die Straußenhaltung hierzulande beendet wird und dass sich kein Markt für Fleisch von gequälten Tieren etablieren kann. - Kaufen Sie lieber Fleisch der herkömmlichen Nutztiere aus tiergerechter Tierhaltung

Lachs

Lachse sind Wanderfische, die ihre Jungend in den Oberläufen von Flüssen verbringen und später ins Meer abwandern, bis sie zum Ablaichen wieder ins Süßwasser zurückkehren. Um die hohe Nachfrage nach Lachs zu decken, werden Lachse vermehrt in Aquakulturen gezüchtet. Die Fischer werden in hohen Besatzdichten in Käfigen im Meer zusammengepfercht. Aus den Käfigen sinken tonnenweise Exkremente und Futterreste, Medikamente und kupferhaltige Mittel.

Bei der Zucht von Biolachs wird stärker auf geeignete Besatzdichten und Artansprüche der Fische geachtet. Auch ist der Einsatz von Antibiotika und künstlich-synthetischer Farbpigmente verboten. Wenn Sie Lachs verzehren möchten, sollten Sie in jedem Fall Biolachs kaufen. Kaufen Sie nur ungefährdete Fischarten wie Makrele, Hering und Seelachs.

Kaviar

Kaviar ist der verarbeitete Laich des Störs. Er wird als die weltweit begehrteste und teuerste Delikatesse gehandelt. Das ist einer der Gründe, warum der Stör mittlerweile zu den seltensten Fischen gehört und akut vom Aussterben bedroht ist. Der Stör hat kaum natürliche Feine bis auf den Menschen, der seinen natürlichen Lebensraum immer stärker einschränkt und ihm wegen dem Kaviar erbarmungslos nachsetzt.

Der Kaviar wird dem lebenden Störweibchen entnommen, da der Rogen sonst ungenießbar wird. Den Weibchen wird also bei lebendigem Leib der Bauch aufgeschlitzt und der Rogen herausgenommen. Eine Betäubung erfolgt in den seltensten Fällen. Störe stehen inzwischen unter Artenschutz, die Gesamtnachfrage ist jedoch ununterbrochen. Wie der Drogenhandel verheißt der Kaviarhandel höchste Gewinnspannen.

Der weitaus größte Teile des gehandelten Kaviars stammt nicht vom Stör, sondern von Lachs, Meeresforelle, Hecht, Karpfen oder Seehasen. Um ihn vom exklusiven Stör-Kaviar zu unterscheiden, sind Bezeichnungen wie Kaviarersatz oder falscher Kaviar geläufig. - Kaufen Sie keinen von Stören gewonnenen Kaviar (Beluga = blauer Deckel, Osietra =gelber Deckel, Sevruga = roter Deckel). Bedenken Sie, 95% wurden illegal gefangen. - Vermeiden Sie auch den Rogen, der von anderen Fischen stammt, da die Gewinnung der Fischeier mit Qualen für den Fisch verbunden ist.

Hummer

Die im Sommer gefangenen Hummer müssen monatelang mit zusammengeklebten Scheren ohne Nahrung in Behältnissen dahinvegetieren. Beim Verzehr ist ein derart gehälterter Hummer daran zu erkennen, dass das Fleisch nicht mehr vollständig seinen Scheren- und Schwanzpanzer ausfüllt. Die Nachfrage nach Hummer ist in Europa so groß, dass der Bestand des europäischen Hummers nicht ausreicht. Zu 80% kommt er aus Kanada und den USA.

Die importierten Hummer werden in Kisten lebend tranportiert. Transportschäden wie gebrochene Beine oder geknickte Antennen sind durchaus üblich. Zur Schlachtung werden Hummer lebendig in kochendes Wasser geworfen, in dem sie einen Todeskampf von mehreren Minuten Dauer durchleiden. Bitte unterbinden Sie das Leiden, dem Hummer ausgesetzt werden und - Kaufen oder verzehren Sie keinen Hummer!

Hälterung, Transport, Tötungsmethode und die bedrohten Bestände sind Gründe genug, um auf andere Nahrungsmittel auszuweichen, die wirkliche Delikatessen sind.

Zum Abschluss sei erwähnt, dass ein vegetarisches bzw. veganes Festessen die konsequenteste Haltung zum Tierschutz darstellt. Es gibt köstliche Menüs ohne Fleisch, die wunderbar schmecken - und die Tiere danken es Ihnen!